Von der „Berliner Akademie für Psychotherapie“ (BAP) …… zur
„Psychologischen Hochschule Berlin“ (PHB)
Symposium zur Eröffnung der „Psychologischen Hochschule Berlin“
am Sonnabend, 30. Oktober 2010
Hier mein Vortrag:
Die Berliner Akademie für Psychotherapie nimmt sich der Ausbildung in tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie an.
Das weckt Erwartungen! - deutlich wird das, wenn man die Bewerbungen der Kandidatinnen und Kandidaten durchliest:
Z. Bsp.: „Mir gefällt, dass Sie an ihrem Institut nicht auf einer dogmatischen Fixierung auf eine Therapieschule bestehen, sondern eine Therapieschulen-übergreifende Ausbildung anbieten. Die sinnvolle Verknüpfung von Inhalten aus verschiedenen Therapieschulen ist für mich die Basis für ein optimales, patientenspezifisches Therapieangebot. So kann eine möglichst optimale Abstimmung der Ressourcen von Therapeut und den Ressourcen und Bedürfnissen der Patienten erreicht werden. Eine Psychotherapierichtung muss sich in ihren ethischen Dimensionen reflektieren und ihrer Verantwortung gerecht werden“.
Eine andere Kandidatin schreibt:
„Ich erhoffe mir von dem tiefenpsychologischen Ansatz die Möglichkeit, während Vergangenes bearbeitet wird, zeitgleich die Aufmerksamkeit auf aktuell stattfindende Prozesse richten zu können. Dabei erachte ich es für wichtig, das Individuum in seiner Gesamtheit zu betrachten; und zu verstehen, dass die Symptome häufig Ausdruck tiefer liegender oft unbewusster Konflikte sind und Menschen auf Grund ihrer verinnerlichten Erfahrungen zu denen geworden sind, die sie sind“.
An anderer Stelle ist zu lesen: „Da ich glaube, dass jeder Mensch einzigartig ist, halte ich viel von einem methodenübergreifenden Wissen und Vorgehen, um den Patienten in ihren spezifischen Bedürfnissen gerecht zu werden, wobei für mich das Arbeiten auf der Beziehungsebene unter Berücksichtigung dynamischer Vorgänge im therapeutischen Prozess zentral ist“.
An diesen Beispielen sehen Sie, mit welch ausgefeilten und wohl überlegten Vorstellungen, sich die Bewerberinnen und Kandidaten an die BAP wenden. Erwartet wird eine fundierte Ausbildung in tiefenpsychologischen Theorien und Techniken aber auch Kenntnisse in anderen Therapieverfahren.
Wenn wir über die Ausbildung zum Psychotherapeuten sprechen, müssen wir uns Gedanken machen um dessen Identität. Durch die Ausbildung bildet sich eine Psychotherapeuten-Identität aus, die hoffentlich dazu führt, dass die Absolventen von dem, was sie tun, überzeugt sind. Nur wer überzeugt ist, von dem was er tut, ist auch ein hilfreicher und guter Therapeut.
Michael Ermann sagte im April 2010 in seinem Vortrag zur Identität, im Rahmen der 60. Lindauer Psychotherapiewochen:
„Ich kann als Psychotherapeut eine positive Identität erleben, wenn ich die Erwartungen, die an Psychotherapeuten gestellt werden, mit meinem Bild von mir als Person in Übereinstimmung bringen kann.…“ „Identität, so Ermann weiter, bedeutet Übereinstimmung und Gleichheit als Merkmal einer Wesenseinheit. Tatsächlich beschreibt sie aber immer auch, wie wir glauben, wie wir nicht sind. Die Vorstellung von Identität beruht auch auf dem gewissen Unterschied: "Ich bin nicht, was ich nicht bin. Wir können daher nur in Beziehungen und durch Vergleich mit einem Gegenüber Identität erlangen. Unsere Identität als bestimmte Menschen können wir nur in einem Wechselspiel von „Dazugehören“ und „Abgrenzen“ entwickeln.“ Soweit Michael Ermann.
In der Ausbildung zum Psychotherapeuten suchen wir immer auch eine Antwort auf die Frage: „Wer bin ich“. Wie gestalten wir diese Vorstellungen über uns selbst? Wenn wir unser berufliches Selbst in Beziehung zu anderen setzen, Gleichartigkeit und Unterschiede wahrnehmen und herausarbeiten, dann geht es um eben diese Vorstellung von unserer Identität als Psychotherapeuten in unserem jeweiligen Verfahren.
Wie kommen die Vorstellungen über uns selbst zustande? Sie entstehen aus den Erfahrungen, daraus wie wir Erwartungen erfüllen und Herausforderungen bewältigen. Das Identitätsgefühl ist die Verdichtung der Erfahrungen mit uns selbst und anderen.
Die Berufliche Identität als Psychotherapeut entwickeln wir also in unserer Ausbildung. Wir haben sie an unseren Lehrern und Vorbildern, durch Identifizierung mit dem Verfahren, den Personen oder in Abgrenzung erworben - durch Internalisierung von Interaktionen, von Beziehungsmustern, über die selektive Integration von abgrenzbaren Teilaspekten sowie über die Abgrenzung anderen und anderem gegenüber.
Wir beschäftigen uns mit Theorien, lesen Bücher, Artikel, übernehmen Inhalte, die uns überzeugen und fühlen uns den Autoren zugehörig oder grenzen uns von ihnen ab. Wir nehmen an Seminaren, Fortbildungen teil, erleben die Dozenten und identifizieren uns mit ihnen oder gewissen Teilaspekten von ihnen.
Die BAP stellt sich der Herausforderung, dass sich die hier zu Tiefenpsychologen ausgebildeten Psychotherapeuten auf ihre Ausbildung berufen und sich identifizieren und von „ihrer Methode“ begeistert sein können.
Natürlich ist es ein Spagat: Hier die Schaffung einer eigenen tiefenpsychologischen Identität durch „Dazugehören und Abgrenzen“. Da die offene Haltung auch anderen psychotherapeutischen Verfahren und Schulen gegenüber.
Ein anspruchsvolles Unterfangen. Weshalb wir uns in der Ausbildung auch intensiv mit den verschiedenen psychoanalytischen Theorien beschäftigen. Sie sind die die Grundlage unseres Seins und Tuns. Wir setzen uns aber auch mit der Frage auseinander: „Was unterscheidet uns von der Psychoanalyse und der analytischen Therapie?“
In gemeinsamen Theorie- und Fallseminaren mit den verhaltenstherapeutischen Kolleginnen und Kollegen arbeiten wir Gemeinsames und Unterschiedliches heraus. Immer geht es dabei um die Frage, muss es um die Frage gehen, „was hilft wem“? Für welchen unserer Patienten, mit seinen Symptomen, Ressourcen und Bewältigungsstrategien, Ambivalenzen und Konflikten, mit seiner Abwehr und Struktur ist welche Methode und Technik auf Grund welcher Theorien und Konstrukte hilfreich? Auf welche Theorien und Konstrukte berufen wir uns hierbei?
Diese Auseinadersetzung und die damit verbundene Identitätsbildung soll in den Theorieseminaren aber auch in den Hospitationen, in den Lehrtherapien und Gruppenselbsterfahrungen ins besondere auch in den Supervisionen der Behandlungen innerhalb der Ausbildung stattfinden; - Aber auch außerhalb: in Arbeitsgruppen und Intervisionen der Kandidaten untereinander, den Treffen mit den Kolleginnen und Kollegen auch aus anderen Verfahren, auch jenseits des Therapeutenraums.
Ich habe die Ausbildung selbst hier an der BAP gemacht. Ich bin Tiefenpsychologe. Das Psychotherapeutengesetz hat seit 1999 die beiden Richtungen, die Psychoanalyse und die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie neben der Verhaltenstherapie bekanntlich auch als mögliche getrennte Ausbildungsstränge zugelassen.
Als ich mich damals kurz nach dem Psychotherapeutengesetz für die Wahl eines Therapieverfahrens entschieden habe, war die Kassenrechtliche Anerkennung ein nicht unerhebliches Entscheidungskriterium. Ich habe mich aber auch gefragt, in welcher Schule ein Menschenbild vertreten wird, das dem meinen am nächsten ist und wo ich mich am ehesten verorte und dazugehörig erlebe. Gleichzeitig war mir dabei wichtig „über den Tellerrand“ zu schauen und eine Ausbildung in einem Verfahren zu machen, in dem keine Dogmatismen vorgelebt werden.
Auf der damaligen Informationsveranstaltung zur Ausbildung an der BAP spürte ich eine Begeisterung und fühlte mich dem Verfahren der TP und seinen Vertreterinnen und Vertretern zugehörig. Mir gefiel die heuristische Herangehensweise des offenen Suchens, des Hypothesenbildens, des hermeneutischen Verstehens, des Annäherns und wieder Distanzierens. Ich hatte das Glück, mich im Studium bereits mit diesen Fragen auseinandersetzen zu können, da es in der Persönlichkeits- und Klinischen Psychologie Angebote aus den verschiedenen Richtungen gab. So gab es auch einen Kurs „Basistherapeutisches Verstehen“, in dem es möglich war, die verschiedensten Therapieschulen erlebnisnah zu erfahren und sie zu reflektieren. In Kliniken habe ich in meiner 11 jährigen Tätigkeit gut mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Therapierichtungen zusammen gearbeitet. 5 ½ Jahre war ich auf einer Station, auf der wir nicht nur die Gruppen sondern auch die Einzelgespräche zu zweit führten, jeweils gemeinsam mit Psychoanalytikern, Verhaltens-, Familien- u.a. Therapeuten. Eine gelungene Integration. Ein glücklicher Umstand aber nicht immer der Fall. - Und wenn dann häufig eher im stationären als im ambulanten Setting anzutreffen.
Leider hat man als TP’ler häufig das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, so als sei die TP „die kleine Schwester“ des großen Bruders „Psychoanalyse“. Sich verteidigen zu müssen, für das was man tut, für der der man ist, kann durchaus „Identität stiftend“ sein. Wenn allerdings das Gefühl entsteht, nicht anders sondern weniger (ein „nur“) zu sein, kann dies auch zu Spannungen, innerem Druck und einer beeinträchtigten Identität führen. Wie also finden wir TP’ler uns zurecht in diesem Spannungsverhältnis zwischen der Zugehörigkeit zu den analytischen Theorien und andererseits der Abgrenzung zu der analytischen Technik? Wie schaffen wir es gleichzeitig uns auch anderen Verfahren (den imaginativen Verfahren, der Verhaltenstherapie, Familientherapie, der Gesprächstherapie, dem Psychodrama, der Gestalttherapie u.a. erlebnisorientierten Methoden) gegenüber zu öffnen, ohne Verwirrung und Diffusion zu stiften?
Viel zu oft wird Tiefenpsychologie gleichbedeutend mit Psychoanalyse gebraucht. Hieße das aber, dass man auch von psychoanalytisch orientierter Psychotherapie statt tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie sprechen könnte. Ist tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie also gleich Psychoanalyse? Natürlich nicht! Ist nicht eher Tiefenpsychologie der Übergeordnete Begriff und darunter finden sich dann die vielen psychoanalytischen und tiefenpsychologisch fundierten Theorien und Techniken wieder (wie es schon Dieter Wyss in seinem Lehrbuch „Die tiefenpsychologischen Schulen“ beschreibt)?
Die Psychoanalyse und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie beziehen sich gemeinsam auf zahlreiche, sich zum Teil unterscheidende aber auch ergänzende theoretische, psychodynamische Theorien und Modelle. Hier wird bereits deutlich, dass es weder die Analyse noch die TP gibt. Es bestehen nicht nur Unterschiede in Form, Dauer und Ziel der Behandlung.
Selbst Freud arbeitete keineswegs in seinen Therapien nur nach den heute als klassisch geltenden Regeln der Psychoanalyse sondern eher nach heutigen Maßstäben tiefenpsychologisch fundiert . Wir sehen das in seinen Fallbeschreibungen.
Die Psychoanalyse zielt auf Behandlung und womöglich Veränderung der gesamten Persönlichkeit. Sie findet (meist) im Liegen auf der sprichwörtlichen Couch statt und dauert mehrere Jahre bei mehreren Behandlungsterminen pro Woche. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien hingegen dauern in der Regel zwischen ½ und 2 ½ Jahren mit einer Sitzung pro Woche und findet im Sitzen statt. Das Ziel in der TP ist die Bearbeitung umschriebener Konflikte wie z.B. bei einer Depression häufig die Thematik Abgrenzung und Durchsetzung eigener Bedürfnisse. Häufig geht es um den Konflikt zwischen Nähe und Distanz, der Ambivalenz zwischen dem sich öffnen und schützen.
In den psychodynamischen Theorien gehen wir davon aus, dass es neben dem uns bewusst zugänglichen Teil unserer Seele auch Teile gibt, die uns nicht bewusst sind. Diese sind dennoch wirksam sind und haben Einfluss auf unser Erleben und unser Handeln. Verinnerlichte Beziehungsmuster veräußerlichen („externalisieren“) sich in der Übertragung in aktuellen Beziehungen und in der Beziehung mit sich selbst. Die Behandlung zielt darauf ab, dieses Unbewusste in der Beziehung zum Therapeuten erkennbar zu machen. Dem Patienten wird so Erkenntnis und Befriedigung seiner Bedürfnisse ermöglicht. So kann dieser beginnen, mit den Ambivalenzen, die aus den unbew. Konflikten entstehen, anders umzugehen.
Jedem von uns ist eine bestimmte Art und Weise der Kontaktaufnahme zu anderen Menschen und deren Bewertung zu eigen. In unserer Kindheit entwickeln wir "Beziehungsmuster" durch die Internalisierung von Interaktionen mit wichtigen Bindungs- und Bezugspersonen, in der Regel unseren Eltern. Nach diesen Mustern organisieren wir spätere Beziehungen. Wir wiederholen die gemachten Erfahrungen, indem wir die anderen dazu bringen, sich uns gegenüber so zu verhalten, wie wir es erlebt haben. Oder wir verhalten uns selbst so, wie es uns vorgelebt wurde, weil wir uns damit identifiziert haben – wiederholen aktiv das, was wir passiv erlebt haben. Auch die Beziehung zu Psychotherapeuten wird unbewusst in dieser Art und Weise gestaltet. In der Therapie versuchen wir Psychotherapeuten gemeinsam mit unseren Patienten in der unmittelbaren Erfahrung, diese Muster zu erkennen, bewusst zu machen und zu verstehen. Damit konfrontieren wir unsere Patienten konfrontieren und ermöglichen ihnen eine größere Variationsbreite in ihrem Verhalten, Denken und Erleben. Wir verhindern durch die Bearbeitung, dass die gleichen Mechanismen immer wieder wiederholt werden.
In der Psychoanalyse ist die Übertragung das wichtigste Mittel der Behandlung und die Übertragungsdeutung die zentrale Technik zur Bearbeitung unbewusster Konflikte. In der TP wird sie zwar beachtet und zurückhaltend genutzt, ist aber nicht das einzige und nicht das wichtigste Mittel der Behandlung. Der Focus liegt häufig auf der Bearbeitung der Abwehr, und darin, gemeinsam zu verstehen, wofür sie nötig war aber nicht mehr ist.
Wir wagen uns mit unseren Patienten an das gemeinsame Projekt „Therapie“, um ihnen neue Wege und Muster zu eröffnen. Vor allem aber macht der Patient die wertschätzende Erfahrung, der sein zu dürfen der er ist. Er erkennt, wofür es wichtig war und ist, sich so zu schützen (auch vor den eigenen inneren Ambivalenzen). Durch diese Einsicht wird es ihm dann möglich, mehr Ambivalenztoleranz zu entwickeln. Durch die gemeinsame Bearbeitung der äußeren und inneren Realität des Patienten in der Beziehung mit uns (der Therapeutin, dem Therapeuten) entsteht etwas Drittes, ein neuer „innerer Raum“. Das ist meiner Meinung nach, ein wesentliches Zeil der Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie. Der Patient macht die Erfahrung willkommen zu sein, mit Wohlwollen angenommen zu werden. Er wird aber auch konfrontiert mit der markierten Spiegelung durch uns als Therapeuten.
Die TP kann sich wegen der außerordentlich flexiblen Einsatzmöglichkeiten auf ein breites Indikationsspektrum beziehen. Sie ist für viele Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern hilfreich und nützlich. Die TP kommt in der ambulanten aber auch vor allem in der stationären Behandlung zum Tragen. Von niedergelassenen psychotherapeutisch tätigen Ärzten wird die TP seit jeher bevorzugt. Sogar mehr als 50 % aller ambulanten Therapien sind tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien.
Wie die Kandidaten, die sich an der BAP für die Ausbildung zum TP’ler bewerben, bereits formulieren, kann der tiefenpsychologisch fundiert arbeitende Therapeut seinem Patienten individuell hilfreich sein und versuchen herauszufinden, was die Patienten spezifisch von ihnen brauchen.
Die TP ist also ein dialogisches, (interaktionelles und intersubjektives) Behandlungsverfahren. Sie ist um die besondere Anpassung der Behandlungstechnik an die jeweils individuellen Bedürfnisse des Patienten bemüht. Daher entstehen auch weit weniger Abhängigkeiten der Patienten von ihren Therapeuten. Die Regression wird eher eingedämmt als gefördert. Es gibt klare Vereinbarungen zwischen Therapeutin und Patient und der Therapeut sorgt für die dynamische Verwaltung eines klaren Rahmens. So kann der gemeinsame Verstehensprozess eingeleitet werden und sich vertiefen. Wir Therapeuten müssen uns überlegen, wie wir den Patienten rasch erreichen, indem wir sein Erleben und sein Denken aktiv stimulieren. Wir entscheiden uns dabei entweder für ein fokales konfliktzentriertes oder ein strukturbezogenes Arbeiten.
Angemessen erscheint die TP bei Patienten, die bereit sind, sich dem symptomtragenden Konflikthintergrund zuzuwenden. Sie eignet sich insbesondere für Patienten, die sich darauf einlassen können, zu verstehen, dass das Symptom auch eine Symbolisierung ist und für etwas anderes, weniger Sichtbares stehen kann. Gemeinsam arbeiten wir in dem Verstehensprozess an Metaphern.
Wichtig für den Erfolg der Therapie sind die Persönlichkeitseigenschaften von Patient und Therapeut und die Frage ob sie auf eine für den Patienten hilfreiche Art und Weise zueinander passen.
Die Besserung der Symptomatik ist sicher eines der nächstliegenden Ziele für den Patienten. Die Focussierung beinhaltet nicht nur eine zeitlich sondern auch eine inhaltliche thematische Begrenzung. Den Fokus legen wir vor Beginn der eigentlichen Therapie bzw. in der Anfangsphase fest oder wir arbeiten an der sich in der Therapie konstellierenden Beziehungsgestaltung, um so den unbewussten zentralen Beziehungskonflikt des Patienten bearbeiten zu können.
Das "Settings" fördert eine aufbauende, partnerschaftliche Ebene in der Kommunikation. Es gibt unseren Patienten die Gelegenheit, uns "im Auge" zu behalten, sich zu orientieren und sich von unseren Reaktionen zu überzeugen. Wir fördern die Realitätsprüfung, Affekt, Selbst- und Fremdwahrnehmung unserer Patienten durch die Zentrierung auf das aktuelle Erleben und Handeln wodurch wir auch für Patienten mit sogenannten strukturellen Störungen hilfreich sind.
Wir erfassen und dosieren dabei das aktuelle Übertragungsgeschehen, nehmen die Übertragung und Gegenübertragung wahr Wir gehen regressions- und Übertragungs-begrenzend vor. Mit der „markierten Spiegelung von Affekten“ dämmen wir da Gefühle ein, wo Überflutung droht und konfrontieren erlebnisaktivierend, wo die Abwehr zu rigide ist. Durch klima-bestimmende Interventionen in Form von Trost und Anerkennung leiten wir den Heilungsaspekt ein und wir übernehmen „Hilfs-Ichfunktionen zur Wahrnehmung der inneren Welt unserer Patienten. Wir lassen uns „verwickeln“, um dann gemeinsam zu verstehen: Wie kam es dazu, was hat es zu bedeuten hat und welche Funktion könnte es für unseren Patienten haben? Wir ermöglichen ihnen einen anderen (im Sinne des Mentalisierens verstehenden) Umgang mit sich und ihren Beziehungen und helfen ihnen, ihren eigenen Platz in der Welt zu finden. Dabei wahren wir die Abstinenz, halten uns mit unserem eigenen „Urkram“ zurück, um den Patienten, den Raum zu eröffnen.
Das Ende der Therapie ist von Beginn an präsent und der Abschied von vorne herein bedeutsam. Hilfreich können Methoden sein, wie wir sie aus anderen Therapierichtungen als sinnvoll und wirksam erlebt haben. So lehren wir in der BAP neben der TP die VT, es finden Seminare zu Gespächs-, Familientherapie und zu körperorientierten Verfahren statt, auch fließen Elemente aus dem Psychodrama ein und Imaginationsverfahren, wie die katathym imaginative Psychotherapie, haben ihren Platz.
Nach der Ausbildung nehmen wir an Fortbildungen teil, in denen wir den Kanon unserer Interventionsstrategien erweitern. Einige von uns entschließen sich, anschließend noch eine Analyseausbildung zu machen. Und auch unsere Kandidatinnen und Kandidaten haben häufig Weiterbildungen in anderen Verfahren hinter sich, ehe sie an der BAP die Ausbildung machen.
Dass TP gerade wegen dieser Offenheit wirksam ist, haben wir schwarz auf weiß. (Forschungsgutachten Richter und Löw). Wir haben viele Hinweise sowohl aus der Forschung, als auch von praktischen Erfahrungen her, dass die Therapierichtung, sowie die angewandte Methode nicht der ausschlaggebende Grund für eine gute Therapie sind, sondern dass es die Beziehung ist, die Fähigkeit des Therapeuten, ein Arbeitsbündnis herzustellen und eine gewisse Identifizierung des Therapeuten mit seiner Methode (Wampold u.a.). Auf dem Gebiet der Psychotherapieforschung kann die neu gegründete PHB einen weitreichenden Beitrag leisten.
Wichtig für die Qualität eines Therapeuten ist immer auch die Hinterfragung und Infragestellung desselben mit seinem Tun, seinem Sein, seinen Theorien und Konstrukten. Wichtig ist auch das Reflektieren und in sich hinein Fühlen in der möglichst offenen Auseinandersetzung mit sich selbst und anderen (auch Angehörigen anderer Verfahren und Richtungen).
Eva Jaeggi, die für dieses Institut eine Identitätsstifterin ist kann heute wegen Terminkollusionen nicht hier sein. Ich möchte sie zum Schluss aus einem ihrer Vorträge zitieren:
„Ich wünsche mir“, so Eva Jaeggi „eine deutliche Reflexion der eigenen Wahl: …Dies gilt gleichermaßen für das Behandlungssetting wie auch für die Krankheitstheorien. Dass letztlich die Wahl nicht nur von Evidenzerlebnissen abhängen darf (wir wissen, wie fragil das Evidenzgefühl ist!) , sondern von eigenen sehr privaten Erfahrungen und daran anknüpfenden Glaubenssätzen: das zu erkennen und zu reflektieren sollte grundlegender Bestandteil jeder Ausbildung sein….“ „Ich wünsche mir“, so Jaeggi weiter: „Die kritische Wahrnehmung der Ergebnisse aus der empirischen Forschung. Dies kann ebenfalls geeignet sein, Einseitigkeiten und Vorurteile zu beseitigen. Es gibt allerdings auch beim Lesen empirischer Forschungen eine Haltung, die selektiv nur das liest und sieht, was die eigene Überzeugung stützt. Hier sind sowohl PA als auch TP gefährdet, weil sie über viele Jahre hinweg kaum Forschung im herkömmlichen Sinn gemacht hatten. Man kann dann Ergebnisforschung z.B., insgesamt verurteilen, weil die Ergebnisse sich vor allem auf Symptome beziehen; man kann Forschung, die sich auf den Prozess bezieht, sofort ablehnen, weil z.B. durch das Ausfüllen von Fragebögen zwischen den Sitzungen eben dieser Prozess gestört würde u.ä.m. Und natürlich werden zur Zeit die noch recht vagen Ergebnisse aus der Neuropsychologie von allen Therapierichtungen verwendet, um die eigene in bestem Licht erscheinen zu lassen…Es sind die Möglichkeiten, die eine Universität bieten kann. Eine Ausbildung im Fach „Therapiewissenschaften“ zeigt hier die Möglichkeiten auf. An Universitäten wird – zumindest dem Anspruch nach- ergebnisoffen geforscht und über Therapie nachgedacht, es besteht außerdem noch besser als in manchen Ausbildungsinstituten die Möglichkeit des Vergleichs. Nicht nur unsere Patienten kennen zu lernen, sondern uns auch als Therapeuten kennen zu lernen: das scheint mir der Weg, der in eine aussichtsreiche Zukunft für die Psychotherapie führt.“ Eva Jaeggi betitelte ihren Vortrag „Dynamisch sein heißt flexibel sein“.
Vielen Dank!